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Ein Portrait des Marathonläufers Carsten Eich

Zeiten wie 27:41.91 min auf 10km, 60:34 min für den Halbmarathon und phantastische 2:10.55 h für den Kölner Marathon - diese Zahlen bedürfen kaum des Kommentars eines Hobbyläufers, der streng schnaufend über die Ziellinie fällt, während Cracks wie Carsten Eich sich schon voll Genuß den Siegeskranz um den Hals legen lassen und ein Glas Iso-Schampus schlurfen. Trotzdem wollen wir einen kleinen Blick in das Leben des 28-jährigen Läufers machen, der mit seinem Sieg beim Kölner Marathon die DLV-Jahresbestleistung für das Jahr 1998 auf 42,195 km aufgestellt hat.

Schon von Kindesbeinen an lief die Welt des Läufers um die Leichtathletik. Mit acht Jahren begann die sportliche Karriere in Leipzig, wo Carsten aufgewachsen ist. "Laufen war wohl die Sportart, die ich am ehesten konnte!"

Mit 16 wechselte er auf die Kinder- und Jugendsportschule, eine Art Sportgymnasium, wo das Training in den Unterrichtsplan eingebettet wurde. War am Anfang das Training noch auf Spaß und Spiel ausgerichtet, rückte der Ernst der Profilaufbahn immer näher - den Spaß am Laufen hat Carsten jedoch noch nie verloren. "Eigentlich war ich von Anfang an Profi," erklärt er.

Nach der Schule absolvierte Carsten eine Ausbildung zum Drogisten, war auch für kurze Zeit bei seinen Eltern angestellt. Doch der Sport war immer der Mittelpunkt des Lebens.

Der Start beim Kölner Marathon war nicht von Anfang an geplant. Carsten Eich hatte die DLV-Norm für die Leichtathletik-EM in Budapest auf der 10.000  m-Distanz um lächerliche 2 Sekunden verpasst. Dieser Augenblick - nicht halb so lang wie ein hastiger Atemzug - reichte aus, um die Träume von der EM platzen zu lassen. Also überlegte sich Carsten zusammen mit seinem Trainer Axel Krippschock eine neue Strategie - den Start bei einem Stadtmarathon im Herbst. Und das Konzept ging auf beeindruckende Weise auf. Der Lauf in Köln war nicht der erste über die Marathondistanz. Carsten zwischen 193 und 1995 mehrmals über die gleiche Distanz gegangen, war jedoch wieder auf die zehn Kilometerstrecke zurückgekehrt, weil er "noch nicht so weit war". Eindrucksvoller hätte die Rückkehr auf die klassische Marathondistanz nicht sein können!

Seit Ende 1996 trainiert Carsten Eich als Vollprofi beim LAC Quelle Fürth. Bei all dem sportlichen Erfolg vergißt Carsten allerdings nicht, auch einen kritischen Blick in die Zukunft zu richten."Es geht hoffentlich noch eine Weile so weiter," sagt er zuversichtlich. Danach setzt er seine Hoffnung auf eine Anstellung beim Quellekonzern im kaufmännischen Bereich. Seinen erlernten Beruf wird er jedoch nicht mehr ausüben können.

Die aktuelle Wettkampfplanung sieht zunächst den Start beim Hamburger Hansemarathon im April vor - "der Rest ist noch offen". Carsten will entweder bei der Marathon-WM im August antreten oder an einem der großen Herbstläufe teilnehmen. Zuvor will er noch klären, auf welche Weise er sich die Olympiaqualifikation für die Olympischen Spiele in Sydney holen kann.

Bis dahin wird er noch einige Kilometer rings um Burgfarrnbach und Veitsbronn in der Nähe von Fürth zurücklegen. In der Vorbereitungsphase auf den Hamburger Marathon läuft er zur Zeit über 200 km pro Woche.

Auf wunderversprechende Ernährungsexperimente läßt sich der Athlet jedoch nicht ein. Er ißt "ganz normale Mischkost, aber immer viele Kohlehydrate". Schwere Hausmannskost, wie sie der bierbäuchige Franke schätzt, mag Carsten sowieso nicht. Mit Übergewicht hat er ebenfalls keine Probleme. "Bei 1,90m Körpergröße und einem Wettkampfgewicht von 63,5 bis 64 kg wiege ich eher zu wenig als zu viel." Andere leistungsfördernde Mittel als Nahrungsergänzungen lehnte Carsten ab - und sofort kommen wir auf die Dopingproblematik zu sprechen.

"Die Leichtathletik ist ein relativ sauberer Sport, weil sehr viele Kontrollen durchgeführt werden -aber es gibt sehr viele Mittel, die nicht einmal nachgewiesen werden können." Der mutmaßliche Dopingskandal um Uta Pippig ärgert ihn vor allem deshalb, weil das Thema nicht nach irgendeiner Seite abgeschlossen wird. Am Rande bemerkt - seit Anfang dieses Jahres finden in der Leichtathletik Blutkontrollen auf freiwilliger Basis statt. Diese Maßnahme soll helfen, den Sport auch vor dem kritischen und sensationshungrigen Auge der Öffentlichkeit sauber zu halten - damit der Sport "nicht so lächerlich wird, wie beim Tennis in der aktuellen Diskussion um Petr Korda".

Die Online-Redaktion des Lauftreff-Franken drückt Carsten Eich weiterhin alle zur Verfügung stehenden Daumen und wünscht ihm eine erfolgreiche Saison und viel Glück auf dem steilen Weg der Qualifikation für die olympischen Spiele!

Eich01.jpg (15042 Byte)Zehn Fragen an den Läufer Carsten Eich

1) Was ist der größte Fehler, den ein Laufanfänger machen kann?

Zu schnell und zu ehrgeizig beginnen - man überpaced sich am Anfang viel zu schnell.

2) Was würdest Du Deinem größten Feind mit auf eine einsame Insel geben?

(Keine Antwort - Carsten hat scheinbar keine Feinde!)

3) Wenn ich kein Läufer wäre, dann wäre ich ...

Triathlet - wenn ich gut schwimmen könnte.

4) Woran denkst Du beim Laufen?

Beim Wettkampf will ich an nichts denken, beim Training an den ganz normalen Alltag.

5) Der Sport, den ich nie betreiben würde, ist ...

Boxen.

6) Hast Du Idole?

Früher war es Waldemar Cierpinski, heute keines mehr.

7) Der schönste Augenblick in meinem Läuferleben war ...

die Qualifikation für die olympischen Spiele in Barcelona 1992 über die Distanz von 10.000m.

8) Wie würdest Du einem Menschen vom Laufen abraten?

Ich würde grundsätzlich niemandem abraten - es sei denn, die Gesundheit ist angegriffen.

9) In welchen Augenblicken hättest Du Deine Laufschuhe am liebsten weggeworfen?

Als ich 1996 die Quali für Atlanta und 1998 die Quali für die EM in Budapest um jeweils zwei Sekunden verfehlte.

10) Welches sind für Dich die schönsten Läufe in Deutschland?

Der Paderborner Osterlauf und der Tübinger Altstadtlauf.

Das Interview führte Jürgen Lindner.

© Dirk Wackernagel 1998-2002; http://www.lauftreff-franken.de ; E-Mail: dirk@lauftreff-franken.de