"1. OSSI-ULTRA" vom Fichtelberg zum Kap Arkona über 578 km in sieben Tagen.
7.b Etappe: Wittower Fähre - Kap Arkona (Gesamtziel), 22,4 km, Samstag, 02. Juni 2001
Wittower Fähre, wa. Es war der definitiv letzte Abschnitt von fast schon "lächerlichen" 22,4 km. Trotz der recht frühen Stunde, der verfluchte Wecker klingelte gegen 4 Uhr, waren wir bestens gelaunt. Ein karges Läuferfrühstück sollte uns fit für die letzten 2,5 Stunden Lauferei machen. Wir hockten in einem Pensionszimmer auf Bettkanten und Fußboden und verzehrten das Läuferfrühstück bestehend aus Honigtoast und Tee.....

Punkt 5.32 Uhr starteten wir direkt an der Nordrampe der Wittower Fähre. Es lagen dicke Wolken über uns, so daß wir damit rechnen mußten, nochmals vor unserem Ziel geduscht zu werden. Um diese Zeit war noch keinerlei Autoverkehr zu beklagen. Befreit von den Zwängen der letzten sechs Tage breiteten wir uns über die gesamte Fahrbahnbreite aus. Niemand störte uns auf unseren letzten Kilometern. Es war einfach nochmal zum Genießen. Wir gönnten es uns.

karges Läuferfrühstück
 
Start an der Wittower Fähre
Das Betreuerteam hatte nicht mehr allzuviel zu tun. Es brauchte nicht mehr eingekauft zu werden, die Massagen waren auch nicht mehr nötig. Lediglich vier von insgesamt 150 Verpflegungsstellen waren noch überr die Bühne zu bringen.

erholsame Verkehrsruhe
 
Allee auf Rügen

Wenn man im Nachhinein betrachtet, was alles so verzehrt, getrunken und verbraucht worden ist, kommt man selbst noch ins Staunen. 80 Liter Tee, 70 Liter Isogetränke "ULTRA SPORTS" Buffer und Refresher, 35 Liter Suppe, 50 Liter Wasser, 20 Liter Limo, 30 Liter Cola, 5 kg Schokolade, 250 Fruchtschnitten/ Riegel, 30 kg Bananen, Äpfel, Brote, ungezählte Toastbrote, Wurst, Traubenzuckertabletten, Keks- und Waffelgebäck, Puder, Pflaster, auch Kopfschmerztabletten, Medizinische-, Sonnen- und normale Hautcremes (was meine Füße angeht, schwöre ich auf die ultraerprobte extrafettige Kaufmanns Haut und Kindercreme und Penaten Babypuder).

drohende Gewitterstimmung 6 km vor dem Ziel
Angesichts des Zieles schwebten wir ein paar Zentimeter über dem Boden. Ich für meinen Teil freute mich schon auf das mondäne Frühstück, das es in unserer Pension in Putgarten geben sollte. Als Steffen und ich im März die Strecke erkundeten,

hatten wir hier die gute Küche testen können. Das Frühstück als Ziel erschien mir nun angesichts des Leuchtturmes vom Kap wichtiger, als die letzten Kilometer zu "packen". War doch nun easy, oder? Zumindest fühlte ich mich so.

 
Putgarten - der allerletzte Ort vor der ersehnten Ostseeküste
 
Wenn man so eingelullt die Gegend genießt, denkt man nicht daran, daß noch etwas passieren könnte. Dann wirds oft nochmal unerwartet ungemütlich. So kam es dann auch. Es fing an zu regnen und der Kantenwind von der Ostsee nahm unangenehm zu. Einige nutzten die Verpflegungsstation bei Altenkirchen zum Umziehen. So ein Maskenball nochmal, naja, was juckte es uns noch!
Pokalübergabe
Horst spendet für die Krankenstation in Togo
Irgendwie zog sich diese "läppische" Strecke unendlich lang hin. 22 Kilometer sind nunmal 22 Kilometer! Da nutzte auch die ganze Erwartungshaltung und die Zielnähe nichts. Der Leuchtturm am nahen Horizont rückte nicht näher. Nach einer Kurve kam die nächste, die Geraden waren nochmal richtig langgezogen und die Rügen-Dörfer hatten nur rutschiges knöchelschädliches Kopfsteinpflaster als
Sekt am Ziel
 
die Karavane zieht weiter

Laufunterlage zu bieten.
Das Problem war aber sehr simple zu erklären: Der Kopf war schon im Ziel!

Wir nutzten die Zeit für ein Schaulaufen vor der Kamera. Jeder sollte nochmal im Einzelshooting festgehalten werden, denn so jung kommen wir nicht wieder zusammen. Dann war es soweit. Der Leuchtturm konnte uns nun nicht mehr ausreißen. Nach einer letzten leichten Steigung etwa

dreihundert Meter vorm Ziel, erreichten wir die Königstreppe am Fuße des Turmes. 230 abwärtsführende Stufen trennten uns jetzt nur noch vom kalten, salzigen Ostseewasser. Die mußten aber langsam angegangen werden, denn sie waren vom Frühregen mehr als glitschig. Dann noch ein Foto und wir standen unten auf dem Strandgeröll direkt am Wasser. Genau 2:30 Stunden netto und 2:47 Stunden brutto hatten wir heute benötigt.

Das Team mit unserer Wirtin, Frau Schweigert, in der Mitte

Wir nestelten unsere Fichtelbergsteine aus den Taschen und stellten uns zum Wurf auf. Jetzt war es so weit. Wir hatten es geschafft. Ja, es war vollbracht. Sekt aus dem Plastikbecher rundete den Moment der Momente ab.

Apropos: Das Gefühl der Stunde brachte aber erstaunlicherweise keine spontanen Bekundungen zutage, diesen Lauf irgendwann einmal zu wiederholen. Ich hatte mal gaaaanz gaaaanz vorsichtig versucht, dieses Thema geschmeidig und aalglatt zu tuschieren. Daß heißt, ich habe versucht eine tonnenschwere Stahlplatte so sanft und leise auf einen Marmorboden fallen zu lassen, wie eben eine Bettendaune auf Wasser herabschwebt. Um Gottes Willen, die sonst sehr gesprächigen Mitstreiter hatten plötzlich keine Muße, meinen schrägen Gedanken zu folgen. Es sollte geschlagene sechs Wochen dauern, bis sich Steffen doch zu dem Gedanken hinreißen ließ, darüber mal irgendwann nachdenken zu wollen. ;-)

Nach einem zünftigen Frühstück und der feierlichen Auswertung (wir brauchten 65:54 Stunden netto und 78:07 Stunden brutto für die Gesamtstrecke von 578,2 km) gab es eigens gefertigte Pokale für Aktive und Betreuer mit Autogrammen. Die Urkunden sind von den Chefs der Pensionen vom Start in Oberwiesenthal und vom Ziel am Kap Arkona unterzeichnet worden.

An dieser Stelle möchten wir uns recht herzlich bei allen Sponsoren ( ULTRA Sports Tübingen Dr. Wolfgang Feil, Orthopädie Hermelin Halle/S. mit den Masseuren und Beratern Klaus Peschka, Hans-Joachim Krumbholz und Kollegen, Kurhaus Bad Düben Günther Tempelhof, dem TV Blau-Gelb Bad Düben, Pension "Zum Kap Arkona" Frau Schweigert (sie managte neben der Unterbringung in Ihrem Hause die Anfertigung der Pokale und Sonderdrucke) und vielen anderen Kleinsponsoren) für die hervorragende Unterstützung bedanken.

Ganz besonderen Dank möchte ich im Namen aller Aktiven unserer Betreuerin, Britta Wackernagel und unseren Betreuern Frank Reinicke und Willi Gruensfelder sagen, denn ohne sie wäre eine solche Aktion gar nicht möglich gewesen. Sie waren immer für uns da, standen morgens vor uns auf und gingen abends nach uns in die Federn. Kein Wunsch war zuviel. Sie hatten immer nur ein Ziel, nämlich optimale Bedingungen für uns zu schaffen, jederzeit. Herzlichen Dank dafür!

Allerdings habt Ihr jetzt ein Problem: Wenn wir wieder solch einen Kanten angehen möchten, dann seid Ihr es, die zuerst darum gebeten werden, uns zu unterstützen!!!

© Dirk Wackernagel 1998-2001; http://www.lauftreff-franken.de; E-Mail: dirk@lauftreff-franken.de