"1. OSSI-ULTRA" vom Fichtelberg zum Kap Arkona über 578 km in sieben Tagen.
7. a Etappe: Poggendorf - Wittower Fähre, 74,2 km, Freitag, 01. Juni 2001
Poggendorf, wa. Es war der Tag, an dem wir die Ostsee erreichen wollten. Die Seeluft war bereits dreißig Kilometer zuvor am Start in Poggendorf zu spüren. Die Gebrechen unserer Körper waren fast wie weggeblasen. Doch bis zur Wittower Fähre waren 74,2 km zu bewältigen.

Der Bürgermeister der Gemeinde Süderholz- Poggendorf, Ralf Drescher (CDU) ließ es sich nicht nehmen, uns auf die letzte "richtige" Etappe zu schicken. Zuvor hatten wir gegen 6 Uhr die Ehre, ihn und sein "Revier" mit all seinen Facetten kennenzulernen. Arbeitsmarktsituation, Autobahnanschllüsse an der A 20, Ansiedlung von Unternehmen und und und... Es war sehr interessant. Herzlichen Dank für das angenehme Frühstück mit Ihnen, Herr Drescher!

Bürgermeisterfrühstück
Bürgermeisterstart

Nach einer erholsamen Nacht ließen wir es auf den ersten achtzehn Kilometern ruhig angehen. Auf diesem Abschnitt feierten wir hinter Abtshagen bei Tageskilometer 18,3 den 500. Kilometer seit dem Fichtelberg. Und dies unspektakulär, denn es hatte zu regnen begonnen und das vorbereitete Jubiläumsschild und wir selbst waren reichlich aufgeweicht an diesem Punkt angekommen.
Aus diesem Grunde ging es nach einem Foto gleich weiter Richtung Stralsund. Zwischendurch nutzten wir die kurzen Pausen mehr um uns umzuziehen, als zu essen und zu trinken. Britta schrieb witzigerweise im Protokoll: "Dirk macht den ganzen Tag Modenschau!". Naja, das muß man sich dann halt gefallen lassen. Aber egal. Trockene Füße !!! und windschützende Jacken waren das Wichtigste. Die Temperaturen lagen bei nur 11 °C, der Himmel war anfangs bedeckt dann regnerisch, aber der Kantenwind von vorn links war stärker geworden.

Dennoch lagen wir unter unserem Zeitplan. Das war uns lange nicht gelungen. Irgendwie schien das Meer uns magisch anzuziehen. Britta und Co. hatten heute nochmal Einkäufe zu erledigen, da wir auch für das letzte Frühstück am nächsten Morgen selbst sorgen mußten. Dieses sollte 4 Uhr, also vor dem Aufstehen ;-) stattfinden.

 

Der Tee reichte heute nicht, so daß die Crew in der Nähe von Negast unkonventionell den "Fruchthof", ein ehemaliges LPG-Grundstück, ansteuerte. Die hilfsbereiten Leute vor Ort sahen überhaupt keinen Grund, den Bus ohne frischen Blättersud wieder fahren zu lassen.
Wir Läufer hatten schon gedrängelt, wann es denn wieder frischen Tee geben würde. Umso mehr waren wir darüber erfreut, daß es noch vor dem Ortseingang Stralsund nach knapp zwei Stunden wieder eine Pause am kalten Bufett mit Tee gab.

Die 35 Kilometer von Poggendorf bis zum Rügendamm begannen sich zu ziehen. Stralsund hat eine schnurgerade, "elendlange Einflugschneise", so daß wir die Stadt zum Greifen nahe sahen, aber irgendwie nicht dort ankamen.

 
   
Der Strelasund mit echtem Salzwasser der Ostsee

Stralsund wurde "Schnauze mal Pi" Richtung Rügen durchlaufen. Wir versuchten, abseits der B 194/ 96 auf dem kürzesten Wege durch die Stadtmitte den Rügendamm zu erreichen. An der Marienkirche vorbei durch unzählige Gassen und Straßen hindurch kamen wir mit Hilfe des bewährten Mobilfunks irgendwie am Bahnhof Rügendamm an.

Jetzt wollten wir den Schritt auf die größte deutsche Insel natürlich genießen. Schließlich haben wir dafür fast eine Woche hart gearbeitet. Diese Pause fiel dadurch etwas ausgiebiger aus. Selbst der zwei Kilometer lange Rügendamm kostete uns inklusive Fotosession und Sektempfang auf der Rügenseite immens viel Zeit. 37 Kilometer in 5:30 Stunden brutto sprechen eine deutliche Sprache. Aber wer von uns hatte denn vor, den Augenblick an sich vorbeistreichen zu lassen. Wir waren ja nicht auf der Flucht.

Felix und ich machten aber losgelöst von der Gruppe auf den nächsten siebzehn Kilometern Tempo. Es war befreiend, mal wieder den Schritt etwas länger zu ziehen und Rhythmus zu spüren. So liefen wir phasenweise nie dagewesene 10,5 km/h Schnitt. Erst der Rügenzeitungsjournalist stoppte diesen Fluß, da er zum Interview bat.

 
Bis Samtens quälten wir uns auf dem schmalen Randstreifen an der Bundestraße dem unaufhörlichen Schwerlast- und PKW- Verkehr entgegen. Das Tempo hatte auch den Zweck, endlich, endlich auf die Straße nach Gingst abbiegen zu können. Dort war es auch mal wieder möglich, zu zweit nebeneinander zu laufen. Immer auf die Haxen des Vordermannes zu achten, geht mit der Zeit nämlich ganz schön auf den Keks.
immernoch starker Verkehr
 
Ziel Wittower Fähre
Über Dreschvitz, Gingst, Kluis und Trent ging es mittlerweile auf parallelführenden Radwegen (ein herzliches Dankeschön den kommunalen Visionären auf Rügen) schnurstracks Richtung Wittower Fähre. Wir hatten dieses Ziel ausgewählt, um nicht 96 km bis zum Kap marschieren zu müssen. Wäre sommerliche Hitze à la Hundstage auf uns zugekommen, wäre solch ein Unterfangen sogar illusorisch gewesen.


Gegen 16 Uhr zeigte sich zunehmend doch noch die Sonne. Sie legte es darauf an, noch ganze 17 °C auf die Bühne zu bekommen. So hatte der 74er etwas vom Rennsteig-Supermarathon, bei dem erst in Schmiedefeld die Sonne lacht. Bei teilweise stürmischem Wind erreichten wir nach 10:14 h brutto und 8:00 h netto die Wittower Fähre doch noch in einer gediegenen Zeit.

 
Der Breetzer Bodden im abendlichen Gegenlicht
 

Von hier ging es dann mit den Fahrzeugen in unser Headquarters (Pension "Zum Kap Arkona") nach Putgarten. Um am nächsten Morgen nicht zu sehr schläfrig auf die letzten 22,3 km zu gehen, hielten wir uns nicht allzu lange beim täglichen Abschlußprozedere auf und gingen, noch ohne das Meeresrauschen zu hören, in die Federn. Denn 3.30 Uhr am nächsten Morgen hieß es wieder aufstehen. Bis 9 Uhr wollten wir am Kap die Füße ins Salzwasser tauchen können, um die sieben Tage für die Gesamtstrecke nicht zu überschreiten.

Fortsetzung folgt.....

© Dirk Wackernagel 1998-2001; http://www.lauftreff-franken.de; E-Mail: dirk@lauftreff-franken.de