"1. OSSI-ULTRA" vom Fichtelberg zum Kap Arkona über 578 km in sieben Tagen
6. Etappe: Usadel - Poggendorf, 81,5 km, 31. Mai 2001

Usadel, wa. Es war ein für uns Läufer phantastischer Morgen, als wir uns auf die Beine machten. 7.12 Uhr war es windstill und bedeckt, aber mit 11 °C nicht kalt. Für den heutigen Tagesverlauf waren aber schwere Gewitter angesagt worden. Es gab also keinen Grund, später als normal zu starten, mal abgesehen davon, daß wiederum ein 80er auf dem Programm stand.

Wir hatten vorher noch die Gelegenheit, uns über einen, sagen wir, uns Läufern weniger geneigten Zeitgenossen zu amüsieren.
Bei unseren Startvorbereitungen auf der vom Hotel herführenden Nebenstraße zur B 96 fühlte sich ein verschlafener Autofahrer von uns so stark behindert, daß er es für nötig befand, uns anzuhupen und wilde Ausweich- und Bremsmanöwer zu zelebrieren.

Otterwechsel!
Grüne Pause am Rande der Piste

Wir lachten, als er dann an der Ampelanlage von einem hinter ihm wartenden Autofahrer wegen Schlafmützigkeit am Steuer bei "grün" angehupt wurde.

Heute kamen alle nur schwer in die Gänge. Es war der sechste Tag, die Straßen wurden immer gerader und der Straßenverkehr war lästig wie noch nie.

Später, in den Wochen nach diesem Lauf, keimten bereits Pläne in mir, diesen Lauf irgendwann zu wiederholen.
Aber eines müssten wir dann unbedingt ändern - die Streckenführung.
Dieses Mal kam es uns darauf an, auf dem kürzesten Weg die Ostsee zu erreichen. Bei nächsten Trip werden es wohl oder übel mehr Kilometer werden. Wir werden dann im Vorfeld mehr Zeit dafür verwenden, Alternativstrecken zu finden. Der Ausbau der Radwege entlang der Bundesstraßen wird wohl im Zeitalter der verblühten Landschaften noch etwas dauern.

 
   
Mittagspause

Wir passierten Neubrandenburg auf dem Ostteil des Stadtringes und sahen zu, die Strecke bis Altentreptow bei km 26 vom Verkehr unbeschadet hinter uns zu bringen. Dort bogen wir dann von der B 96 ab und konnten uns entspannter auf den Straßen der "Pampa" bewegen. Nebeneinander zu laufen, war auf den Bundestraßen einfach zu riskant. Über Ortschaften mit mecklenburgisch- klangvollen namen wie Loickenzin, Pripsleben, Tützpatz und Beggerow ging es nach Demmin. Irgendwann, so gegen Mittag kündigte sich dann auch das Wetter an, daß keiner haben wollte.

 
Im Radio wurde schon über wolkenbruchartige Unwetter in Rostock und Schwerin berichtet. Das waren im Falle Rostocks noch gut 100 km Entfernung, aber bei Windgeschwindigkeiten um die 120 km/ h hieß das, daß wir noch eine knappe Stunde, wenn überhaupt auf Laufwetter hoffen durften.

Es kam wie es kommen mußte. Kurz vor 15 Uhr brach es über uns herein. Nicht nur Sturm und Regen aus Eimern, sondern Gewitter, wie wir sie aus heimischen (Franken) Gefilden nur sehr sehr selten kennen. Es führte sogar dazu, daß wir unserer Gesundheit zuliebe wegen der Gewitter den Lauf unterbrechen mußten.

Leider existieren keine Fotos vom Unwetter. In Demmin stand zeitweise das Wasser knöcheltief (nicht übertrieben) auf der Straße.

Selten gab es solche Sandwege
Typisch für Mecklenburg

Herabschießende Hagelkörner in Erbsengröße stachen wie Pfeilspitzen auf uns ein. Die nebenstehenden Fotos sind etwa ein bis zwei Stunden vorher aufgenommen worden.

Die Kanalisation konnte diese Unmengen nicht aufnehmen und ersoff in den Fluten. Die Peene, einer der längsten Flüsse Norddeutschlands, trat über die Ufer.

Wir gönnten uns während der einstündigen Sintflut in Demmin Kaffee, Kuchen und Eis. Das kannten wir ja seit Oberwiesenthal nicht mehr, am Nachmittag zu Kaffeetanten zu mutieren.

Unter Einbeziehung der Unterbrechung standen am Ende 8:10 h brutto und 6:55 h netto zu Buche. Den diesmal ungewöhnlich langen Abend nutzten wir zur ausgiebigen Regeneration mit Fuß- und Muskelpflege in der Pension in Poggendorf.

Am meisten war wohl wieder Trainer Willi gefragt. Er massierte stundenlang nacheinander alle zehn Läuferbeine.
Britta konnte diesmal die Buffer-Flaschen noch vor Sonnenuntergang mixen, was in den vergangenen Tagen durch die späten Ankünfte nicht möglich gewesen war. Das tat ihr auch mal ganz gut. Denn sie hatte wohl von allen acht Ossi-Ultra-Touristen den wenigsten Schlaf zu verbuchen.

Steffen kündigte uns noch für den Freitag die Presse und den Bürgermeister von Süderholz-Poggendorf an. Das war auch insofern bemerkenswert, weil der Bürgermeister früh punkt sechs Uhr mit uns frühstücken wollte.

 
Mit kleinsten Überraschungen gelang es Britta, uns zu erfreuen
 

Nicht nur das, er spendierte uns dann auch selbiges, stellte uns die Gemeinde vor und beantwortete uns alle möglichen und unmöglichen Fragen. Es war auch ganz interessant zu hören, mit welchen Problemen ein solcher Gemeindeverband zu kämpfen hatte und welche Erfolge es zu verbuchen gab. Die Kommunalpolitik konnte recht interessant sein. Sie ist auf alle Fälle substantieller, als das, was die Diätenempfänger in Berlin und Andernorts fabrizierten.

Fortsetzung folgt.....

Dirk Wackernagel 1998-2001; http://www.lauftreff-franken.de; E-Mail: dirk@lauftreff-franken.de