"1. OSSI-ULTRA" vom Fichtelberg zum Kap Arkona über 578 km in sieben Tagen
5. Etappe: Oranienburg - Usadel, 86,8 km, 30. Mai 2001

Oranienburg, wa. Nach einer angenehmen und ruhigen Nacht starteten wir zu einer der zähesten Etappen auf der Tour. Nicht etwa nur die 86,8 Tageskilometer, sondern die Härte der Eintönigkeit entlang des weißen Streifens auf einer der gefährlichsten Straßen Deutschlands, der B 96, sollten es uns heute sehr schwer machen.

Oranienburg-Sachsenhausen, Löwenberg, Gransee, Fürstenberg, Neustrelitz und Usadel hießen heute die Stationen. Es ging einfach immer nur geradeaus...

Zunächst ging es entlang eines autobahnähnlich ausgebauten Streckenabschnittes nach Nassenheide.
Wir ahnten bereits jetzt so kurz vor halb acht, der Berufsverkehr
war im vollen Gange, daß die relative Beschaulichkeit der Bundestraßen südlich von Berlin einfürallemal vorbei war. Wir mußten ständig bereit sein in den Straßengraben zu springen,

sonnige Pause 5 km vor Gransee
 
unglaublich lange Geraden

wenn ein LKW rücksichtslos und ungebremst an uns vorbeischrammte. Zweimal sollte dies auch passieren. Für diese Art "Geisterfahrer" spielte unsere Gesundheit keine Rolle...

Um das Risiko etwas zu begrenzen, hatte ich über weite Strecken die grellgelbe Jacke getragen. Das Raushalten des rechten Armes half wirksam gegen den ungebremst anfliegenden Verkehr aus Norden. Die Fahrer zeigten plötzlich mehr Respekt und Rücksichtnahme. Sie bremsten bei Gegenverkehr rechtzeitig vor unserer kleinen Karavane ab.

Die drei Betreuer hatten besonders heute, am fünften Tag ohne Unterbrechung, alle Hände voll zu tun. Willi schmierte in altbewährter Weise die Brote.
Er hatte zudem während der Pausen mit Massieren schwer zu tun, denn auch ich war inzwischen auf den Geschmack gekommen, meine Muskeln regelmäßig auflockern zu lassen.

Britta und Frank fuhren wieder "auf große Shopping-Tour". Die Vorräte, also Bananen, Tee, Schokolade usw., gingen rapide dem Ende entgegen. Dabei mußte schnell improvisiert werden, da die Zeit zwischen den Stops recht kurz für solche ausgedehnten Abstecher in die Tante Emma Läden war.

 
   
Grüner wurde es nicht mehr.

Irgendwie schafften sie das auch immer, ohne daß die Läufer dies groß mitbekamen. Es war für uns wie aus Zauberhand einfach wieder alles verfügbar...

 
In Löwenberg, nach 15,3 km, brachten sie es sogar fertig, in einem Café direkt an der Straße heißen, frisch gebrühten Tee in Porzellantassen zu servieren (Bild links). Der Café-Wintergarten lud auch zu Kuchen und Torte ein. Die Verlockung war groß, aber wir blieben standhaft. Obwohl ich schon sehr gerne ein Stück "fettige" Cremetorte verputzt hätte ;-)).
Tea for two
 
Streckenstudium -
wie weit ist es denn noch?

Nach knapp acht gearbeiteten Laufstunden erreichten wir die Landesgrenze Brandenburg/ Mecklenburg- Vorpommern bei Tages-km 57. Es war Zeit für ein paar Gruppenfotos. Eines ist nun auch auf der Seite 6 in der Ausgabe 7/8 01 der "Laufzeit" zu sehen.

Apropos Presse. Ich war recht überrascht, welche Resonanz unser Abenteuer bei der schreibenden Zunft ausgelöst hat.

Geschätzt rund dreißig Berichte, Randnotizen und Titelstories, bis hin zu halbseitigen Berichten waren in den Ausgaben der Regionalzeitungen vom Fichtelberg bis Rügen zu entdecken.

Meine netten Kolleginnen aus der EnBW- Niederlassung Leipzig schickten mir einen riesigen Ausschnitt von der Titelseite der Leipziger Volkszeitung nach Nürnberg.

 
19.18 Uhr - herrliche Abendstimmung nach 86,8 km,
12:15 Std. brutto und 10:36 Std. netto
 

In Neustrelitz hatten wir ein paar Orientierungsschwierigkeiten. Der Weg durch die Stadt war mit den Fahrzeugen nicht ohne weiteres machbar. So wurde die Umfahrung bis zum Abzweig der B 96 von der B 193 genommen. Wir fünf liefen in Neustrelitz etwa 2 km zu weit nach Norden, so daß die nächste Rast erst nach einer ganzen Stunde möglich war.

Der Rest des weißen Streifens war bei schönster Abendstimmung recht zügig abgespult.

Im Sterne-Golf-Hotel "zu" Bornmühle ließen wir es uns unter den Augen der verhobenen Society gut gehen. Gleich nach dem Duschen ging es ab in die Fluten des hauseigenen Pools. Gegen 20.30 Uhr speisten wir zu Abend.

Unsere bunte Joggertruppe paßte nicht in diese Gesellschaft...so vermittelte man es uns jedenfalls durch entsprechende kühlfreundliche Bedienung und reservierte Servicebereitschaft. Daß wir für den nächsten Tag fünf Liter Boullion für die Läufer in Auftrag gaben, war nicht im Bereich des Gewünschten. Nach hartnäckigem Zureden und den offen ausgesprochenen Zweifeln an der Improvisationskunst des Elite-Koches war es dann doch möglich.
Die Bedienung bekam von uns ein paar Tips, wie man aus einem Suppenhuhn eine Suppe kocht und dann ging es plötzlich doch. Man muß halt die abgehobenen Hotels ab und zu auf den Boden ihrer eigenen Versprechen in der Speisekarte zurückholen. ("Haben Sie einen besonderen Wunsch, so erfüllen wir Ihnen diesen gerne!")

Das Galadinner ließ aber keinen Wunsch offen.

Fortsetzung folgt.....

Dirk Wackernagel 1998-2001; http://www.lauftreff-franken.de; E-Mail: dirk@lauftreff-franken.de