"1. OSSI-ULTRA" vom Fichtelberg zum Kap Arkona über 578 km in sieben Tagen
4. Etappe: Beelitz - Oranienburg, 76,0 km, 29. Mai 2001

Beelitz, wa. Nach der Verspätung beim Frühstück, folgte ein mehr oder weniger hektischer Aufbruch. Die uns vom italienischen Restaurant gekochte Nudelsuppe wurde schon vor dem Frühstück in den Bus verfrachtet. Wir starteten nach den üblichen Aufräumarbeiten erst um 7:16 Uhr Richtung Norden.

Wohl jeder hatte "neue" Schuhe angezogen, da die Helden vom Vortag noch nicht vollständig getrocknet waren und ein Schuhwechsel für die Schonung der Fuß- und Beinarchitektur (Durchtreten des Fußgewölbes, Seitenstabilität der Fußgelenke, Abroll- und Dämpfungseigenschaften der Schuhe, Belastungswechsel der Fuß- und Kniegelenke) auf dem harten Belag anzuraten war.

Heute ging es auf der B 2 über Michendorf, Potsdam, Seeburg, Falkensee, Velten, Germendorf nach Oranienburg-Sachsenhausen.

Es war für die Crew mit ihren Begleitfahrzeugen nicht so einfach, die Läufer lückenlos zu betreuen. In Potsdam zum Beispiel kam es trotz Kontakt über Handy zu einer eineinhalbstündigen Versorgungslücke.

Bergfest bei Schönwalde
Bahnschranken versuchten vergeblich, uns aufzuhalten...

Die Läufer wurschtelten sich teilweise durch die Fußgängerzonen, während die Fahrzeuge die B 2 links um das Stadtzentrum herum umfuhren. Ähnliches sollte sich in Falkensee wiederholen. Die bei Dallgow zu umlaufende B 5 brachte einige Verwirrung mit sich, da die Karte mit der aktuellen Trassenführung nicht mehr übereinstimmte. Erst am Ende von Falkensee gab es wieder etwas zu trinken. Die Temperaturen waren heute mit 17,5 bis 22 Grad bei leichtem Wind und bedecktem Himmel ganz angenehm. Es entstand kein größeres Problem für uns.

Ich selbst hatte eine Trinkflasche bei mir, die ich aber auch nicht allzuoft aus der Tasche nahm, obwohl im Protokoll steht, daß es schwülwarm war.

Heute war jeder einzelne sehr mit sich allein beschäftigt. Die Laufroutine und der bedeckte Himmel ließen etwas laue Stimmung aufkommen. Wir arbeiteten die Strecke regelrecht ab. Nach einer Geraden kam eine Kurve, zwischendrin ein Verpflegungspunkt usw... Euphorie keimte erst wieder, als wir hinter Schönwalde bei km 51,6 das Gesamtstrecken- Bergfest feiern konnten. Jeder bekam von Betreuerin Britta ein Blümchen geschenkt. Da traute sich sogar die Sonne wieder raus.

Insgesamt gesehen war das wohl die härteste Etappe für die Psyche aller fünf Läufer. Jeder hatte sein ganz spezielles Leiden in den Griff zu bekommen. Von Hüftgelenkproblemen über Knochenhautentzündung, Wadenschmerzen, Kräfteverschleiß bis hin zum Umgang mit doch teilweise lästigen und schwülen Temperaturen für den einzelnen war eine repräsentative Palette an "Ultralaufproblemen" vertreten.

 
   
ULTRA-Buffer-Flaschen vor der Mixstation (Britta's Zimmer)

Der Appetit auf ein richtiges (Fleisch-) Essen wurde bei Steffen und mir immer größer. Mal wieder was richtiges Essen, das war das Tagesziel. Alles andere nebensächlich.

 
Britta ließ sich noch vor Oranienburg von Willi vertreten und lief die etwa 10 letzten Kilometer der heutigen Strecke mit.
Das tat ihr sichtlich wohl, denn immer nur im Auto sitzen oder am Verpflegungspunkt stehen, ist mit der Zeit ganz schön anstrengend. Da lobte sie sich, selbst in diesem Jahr zur Marathonläuferin aufgestiegen, ein Lockerungsläufchen.
Das Tempo war ihr auch gerade recht.
Gesehen: Hochräder im 21. Jhd.
Einlauf in Oranienburg

Der Tag hatte um 18:58 Uhr ein läuferisches Ende gefunden. Brutto 11:42 und netto 9:38 Stunden dauerte der heutige für mich mehr oder weniger lustlose mittlere Abschnitt der OSSI-Ultra- Tour.

Am Abend gab es vom Wirt (wegen Hausumbauarbeiten) im Alleinbetrieb bereitete, köstliche Steaks mit Bratkartoffeln.

Dazu tranken die meisten
ein etwas süßliches,
dunkles Bier.

Das Fußballspiel der deutschen Nationalelf im Fernsehen interessierte wegen des üblichen langweiligen Gekickes niemanden wirklich.

Ich kann nicht mal mehr sagen, gegen wen man spielte.

Dinner for eight, after eight

Anschließend bot uns der Chefkoch Vanillepudding mit Schokosoße oder Schokopudding mit Vanillesoße an. Der junge Mann hatte zwar mit seinen Steaks überzeugt, aber so richtig trauten wir ihm die Dessertauswahl in der Mühe der Arbeit dann doch nicht so recht zu. Wir bestellten die erste Variante. Die respektvoll hochgezogenen Augenbrauen flüchteten sofort, als der Wirt servierte. Es gab Puddi's Pudding aus dem Plastikbecher....

Fortsetzung folgt.....

Dirk Wackernagel 1998-2001; http://www.lauftreff-franken.de; E-Mail: dirk@lauftreff-franken.de