Thema: "Warnsymptome und deren Erkennung beim Ausdauersport - vermeidbare Herzschäden beim Ausdauersport"
 
Wendelstein/ Ansbach, bw. Den Verantwortlichen des Lauftreffs Ansbach-Nord gelang es, von der Herz-und Gefäss-Klinik GmbH Bad Neustadt/Saale zwei namhafte und sehr erfahrene Chefärzte der Kardiologie I und II für einen Vortrag zu gewinnen. Die Veranstaltung fand am Freitag, 29. Juni 2001 von 19.00 bis 21.30 Uhr im Hörsaal des Hauptgebäudes der Fachhochschule in Ansbach statt. Hierbei ging es vor allem um Themen, wie die Früherkennung und Behandlung der koronaren Herzerkrankung bei sportlich aktiven Personen und das Erkennen und das Auftreten von Herzrhythmusstörungen bei Sportlern.
Referat 1 Priv.-Doz. Dr. med. B. Schumacher "Erkennung von Herzrhythmusstörungen/ Herzrhytmusstörungen und sportliche Betätigung
Referat 2 Priv.-Doz. Dr. med. S. Kerber "Früherkennung der koronaren Herzerkrankung/ sportliche Betätigung bei koronarer Herzerkrankung"
     
Es berichtet: Britta Wackernagel    
     

Beginnen möchte ich mit einem herzlichen Dankeschön an Traudl und Fritz Rosenbauer für die herzliche Einladung von Lauftreff Franken zu diesem interessanten Vortrag. Wir waren sehr gespannt auf das Thema und auf die Resonanz bei den Laufsportlern. 10 Minuten vor dem offiziellen Beginn waren die Bänke des Hörsaales gerademal halb besetzt. Kurz vor 19 Uhr setzte ein Run auf die noch freien Plätze ein. Mit zusätzlich herangeholten Stühlen und proppevoll besetzten Treppenstufen war der Saal plötzlich übervoll. 150 Interessierte wollten etwas über das Herz, Herzerkrankungen im Zusammenhang mit Sport von erfahrenen Herzspezialisten hören.

Nach eröffnenden Worten und der Begrüßung der Vertreter des BLV übernahmen Dr. Schumacher und Dr. Kerber das Wort.

 
   
Traudl und Fritz Rosenbauer beim Vorbereiten der Technik

Sie waren extra aus der 170 km entfernten Herz- und Gefäß-Klinik, Bad Neustadt a.d.Saale nach Ansbach angereist. Ein herzliches Dankeschön auch nochmal von Lauftreff Franken. Den Ärzten war die Freude über das zahlreich erschienene Läuferpublikum anzumerken. Halten sie doch sehr selten Vorträge vor so vielen gesunden und sportlich aktiven Menschen.

Anlaß für diese beiden Vorträge sind unter anderem der plötzliche und scheinbar ungeklärte Herztod bei einer Reihe von guttrainierten Sportlern.

Im ersten Vortrag kommentierte Dr. Schumacher die im Raum stehende Zahl von neunhundert plötzlichen Todesfällen bei sportlich aktiven Menschen in Deutschland pro Jahr und setzte sie ins Verhältnis zu Todesfällen verschiedener Gruppen der Gesamtbevölkerung. Teilweise haarsträubende Berichte der Medien wurden ins rechte Licht gerückt.

Dr. Schumacher gab einen kurzen und für uns Laien verständlichen Exkurs über das geordnete Zusammenspiel von Herzmuskel, Herzkammern, Herzklappen, diversen elektrischen Leitungsbahnen und Herzrhythmus.

Jetzt wissen wir, daß der Sinusknoten die "Zündkerze" unseres Herzens ist und die dort entstehenden elektrischen Impulse für unseren Pulsschlag sorgen, den wir am Handgelenk fühlen können. 40 bis 120 Schläge pro Minute sind bei Ruhe bzw. normaler Belastung in Ordnung. Bei läuferischer Anstrengung gehts schon mal auf 140 und mehr Schläge pro Minute hoch. Ohne eine solche Belastung wäre aber diese Frequenz entschieden zu hoch und als Alarmzeichen für Unregelmäßigkeiten zu sehen.

 
   
Dr. B. Schumacher

Womit wir schon bei den Empfehlungen von Dr. Schumacher sind, wie wir Herzrhythmusstörungen, die auch zum Tod führen können, frühzeitig erkennen können:

1. Check up

Erstuntersuchung vor Aufnahme von sportlicher Aktivität
- körperliche Untersuchung
- Blutbild
- EKG
- Belastungs-EKG (Langzeit-EKG über zwei Tage bei Unregelmäßigkeiten)
- Herzultraschall

Einmal jährliche Kontrolluntersuchung beim Hausarzt oder beim Internisten

Nachweislich gingen die Todesfälle in vielen Sportarten zurück, seit in den sportlichen Check up bei Sportvereinen kardiologische Untersuchungen eingeschlossen sind.

2. Warnsymptome ernstnehmen

- Abgeschlagenheit, Leistungsknick, längere Regenerationszeiten nach Belastungen
- deutliche Zunahme von Luftnot
- Herzschmerzen mit einhergehenden Brust-, Magen-, oder z.B. Kieferschmerzen
- Herzrhythmusstörungen, Herzrasen
- Ohnmacht, Schwindelgefühle

Der Internist oder der Herzspezialist wählt dann die richtige Methode zur Ursachenforschung (Diagnose) aus und kann frühzeitig auf eventuelle Herzschäden reagieren. Die Belastbarkeit eines Sportlers kann dann individuell angepaßt werden.

3. Pausen bei akuten Erkrankungen

- grippaler Infekt mit Fieber: 2 Wochen Trainingspause, 6 Wochen Wettkampfpause
- grippale Infekte mit nachgewiesener Herzbeteiligung: 3 Monate Trainings- und Wettkampfpause, eingehende ärztliche Untersuchung vor Wiederaufnahme der sportlichen Betätigung

Durch Grippeviren werden oft alle Organe geschwächt. Sind es die Hirnhäute, haben wir Kopfschmerzen; sind es die Schleimbeutel in den Gelenken, haben wir Gliederschmerzen; ist es der Herzmuskel.....spüren wir zunächst einmal nichts. Im Herzmuskel sind keine Nerven, die uns sagen: "Hier tut etwas weh. Bitte ausruhen!" Das Herz muß weiterpumpen, ob es will oder nicht. Deshalb hat es diese Schmerzsensoren nicht, was bedeuten kann, daß das Herz trotz fehlender Beschwerden geschwächt oder sogar geschädigt ist.

Also Schonung des Herzens, Pause bei Grippe - ohne wenn und aber!

Einhelliges Fazit von Dr. Burghard Schumacher

Trotz des geringfügig höheren Risikos eines plötzlichen Herztodes bei Sportlern, verbessert der Sport Blutdruck, Blutfettwerte, Körperfettverteilung, Insulinwirkung und die psychische Ausgeglichenheit.

Maßvoller und kontrollierter Sport ist gesund und verlängert unser Leben!

Nach einer sehr angeregten Diskussionsrunde übernahm Dr. Kerber das Wort.

     
 

Das Thema koronare Herzerkrankung bezog sich mehr auf sportlich aktive Personen im mittleren Alter.
Mit Vorsorge und Früherkennung können heutzutage schon viel mehr Menschen identifiziert werden, die ein Risiko in sich tragen, einen Herzinfarkt zu erleiden.

Mit eindrucksvollen Aufnahmen (Dias) des gesunden und des kranken Herzens erläuterte Dr. Kerber die modernen Methoden der Diagnostik und späteren Behandlung bei Erkrankung der Herzkranzgefäße.

Inzwischen wissen die Kardiologen, daß nicht nur das Ausmaß einer Verengung der Blutgefäße im Herzen, sondern auch die Art der Ablagerung einen Infarkt hervorrufen können. Eingeschlossene Lipidablagerungen (Fette) in den Gefäßwandungen können in schweren Fällen aufbrechen und sekundenschnell einen Verschluß lebenswichtiger Herzkranzgefäße verursachen.
Individuell zu hohe Cholesterinwerte, Übergewicht, hoher Blutdruck - das sind Reizworte für den Spezialisten und sollten es auch für uns Sportler sein.
Mit bewußter abwechslungsreicher Ernährung und regelmäßigem Sport, ist da schon eine Menge zu bewirken.

Dr. S. Kerber
   

Zu inzwischen fortgeschrittener Stunde bedankte sich Fritz Rosenbauer recht herzlich bei den Referenten und dem sehr interessierten Publikum und überreichte inzwischen als "Medizin" anerkannten Rotwein als Present an beide Dozenten.

Nachdem Dr. Kerber und Dr. Schumacher diesen Bericht auf medizinisch-fachliche Richtigkeit überprüft hatten, erteilten sie uns freundlicherweise die Genehmigung, diesen in der vorliegenden Form im Lauftreff Franken zu veröffentlichen.
Herzlichen Dank dafür.

Herzliche Läufergrüße
Eure
Britta Wackernagel

 

© Dirk Wackernagel 1998-2001; http://www.lauftreff-franken.de; E-Mail: dirk@lauftreff-franken.de