2. Internationaler Spreelauf über 420,6 km vom 28.08. - 02.09.2001
5. Etappe: Spremberg - Bautzen, 77,9 km, 01. September 2001
Fortsetzung

Die Läuferinnen und Läufer hatten da noch geringe Vorteile. Das Rezept hieß Bewegung. Der Wille mußte heute ganz besonders sorgsam auf Standhaftigkeit programmiert werden, denn es war keine Aussicht auf Besserung vorhergesagt worden.

Ich hatte mich für die Regenjacke und die Kappe als Dachrinne entschieden. Das Durchnässen konnte ich damit zwar nur kurz herauschieben, aber die Wärme blieb doch lange Zeit bei mir und der Blick blieb klar.
Mit Blitzlichtgewitter startete 6 Uhr wie gewohnt die erste und 7 Uhr die schnellere Gruppe Richtung Bautzen. Es war ein recht stupides Stück des Spreeverlaufes zu bewältigen. Tagebaue, Militärgelände und weite, teils hügelige Felder säumten die heutige Strecke. Es gab teilweise Abschnitte, die fünf, sechs Kilometer nur geradeaus verliefen.

In Neustadt rüstete sich die Freiwillige Feuerwehr zum 80. Geburtstag...bei strömendem Regen. Da ist mir ein Lauf im Regen aber lieber, als auf kalten Holzbänken in zugigen Festzelten zu frieren/ zu feiern. Naja, die Feuerwehrleute sahen das vielleicht wieder ganz anders.

Ludger hatte es heute auch nicht einfach. Das Tempo der ersten Tage forderte seinen Tribut. Eine Knochenhautentzündung war im Anmarsch.
Der Regen konnte uns nicht erschüttern, uns nicht!

Bei Tageshalbzeit mußte er zähneknirschend aufgeben und das auch noch an seinem Geburtstag. Es war mehr eine Vorsichtsmaßnahme, da er dieses Jahr noch ein paar Läufe bestreiten wollte. Seine Erfahrungen mit dieser Plage waren auch nicht gerade die besten gewesen.
Ich selbst war in dieser Hinsicht auch nicht verschont geblieben, aber es war noch im Rahmen des Erträglichen. Ich biß auf die Zähne, reduzierte mein Tempo, hielt an meinem Rhythmus fest und versuchte den Tag irgendwie rumzukriegen. Links im Bild (in Neustadt) sah ich noch besser aus, als es in Wirklichkeit war. Hätte bloß noch gefehlt, daß einer mir zuruft: "Dirk, da geht noch was, du siehst gut aus!".

Dirk: acht Stunden Alleingang...

Im Bushäuschen zu brunchen, war der himmel auf Erden. Allein die Gelegenheit, mal im Trockenen zu sein, war verdammt nah am Wellness. Den Betreuern war dies natürlich ebenso recht.
Als allerdings ein Autofahrer an einem unserer ersten Verflegungsstationen sich rein zu Entertainment-Zwecken zu uns gesellte und in der engen Wellblechhütte die Kippen auspackte, machten wir ihm "höflich aber bestimmt" klar, daß er dabei war, sein Wohlbefinden im Handumdrehen zu verschlechtern.
Ich nutzte diese Pausen, um meine Beine fitzuhalten und mich aufzuheitern.

Britta rieb mir die Beine mit einer "Wundersalbe" ein, während ich fürs leibliche Wohl meinerselbst sorgte. Ganz nebenbei fuhr ich wie ein Spieß (für die ungedienten dieser Republik: Spieß ist ein altmilitär. Begriff für Mutter der Kompanie) mit dem gestreckten Zeigefinger über die Innenversteifung des Bushäuschens und bließ mit den Worten, "Lange nicht Staub gewischt, was!" den Staub in den Regen hinaus. Daniela, "Chefin" dieses Verpflegungspostens, kündigte daraufhin "beleidigt" an, mir am Abend die Beine nicht mehr massieren zu wollen.
 
Stefan bei aus-giebigem Frühstück
 

Das dicke Ende kam heute aber noch. Vor Bautzen fingen nach rund 350 km Flachstrecke die Berge an. Die ersten Finisher waren auch nicht sehr darüber erbaut, aber den nachfolgenden Kämpfern dieses Tages würde diese Bürde den Rest der guten Laune stehlen, wenn sie den Buttermarkt am Reichenturm hinaufstiefeln müßten. Daß das Ziel nicht in der Nähe der Unterkunft und die langersehnte heiße Dusche dann auch noch in einer anderen Straße waren, daß war ein Härtetest für Hartgesottene.

Ich schleppte mich total erfroren in Begleitung meiner mich aufmunternden Frau die letzten Gipfel in Bautzens Innenstadt hinauf. Ich hatte echt die Nase voll vom windigen Regen. Der eklige und nasse Gegenwind war echt der absolute Tipp für Gourmets gewesen. Mein neuer Slogan der Woche: Quäl Dich, es gibt Menschen, denen geht es schlechter als dir!

Das Flehen der Durchnäßten hatte dann aber ein Ohr bei Super-Ingo gefunden und so wurde wenigstens das Essen (Spirellis mit Tomatensoße) im viel zu engen Flur der Schule eingenommen. Das hatte was...

 

 
Walker: Willem Mütze (45, RWV Rotterdam,Holland)

Ludgers bessere Hälfte, Simone, war eigens zu seinem Geburtstag aus Gelsenkirchen angereist und hatte leckeren Kuchen gebacken. Wir waren eingeladen. Es war der Höhepunkt des Tages. Selbst dafür hätte es sich gelohnt, nach Bautzen zu laufen.;-)

Ich nahm noch meinen täglichen Termin bei Daniela wahr und drollte mich dann in die warmen "Federn". Schlaf war das Einzige, was mich für die morgen anstehenden 50,5 km noch fitmachen konnte. Britta hatte mir so ziemlich alles abgenommen, was nach Arbeit roch. Wer stopft schon gerne Schuhe aus und hängt die nassen Klamotten auf die Leine...?

 
5. Etappe (77,9 km)
Gesamtwertung (nach 5 Etappen und 370,1 km)
1
3 Rainer Koch (20, LG Würzburg)
6:34:55
2
11 Rene Strosny (28, Bautzener LV)
6:42:10
3
9 Henry Wehder (39, OSC Löbau)
6:45:14
1
3 Rainer Koch (20, LG Würzburg)
28:56:57
2
9 Henry Wehder (39, OSC Löbau)
29:12:41
3
11 Rene Strosny (28, Bautzener LV)
30:07:24

Alle Ergebnisse im Überblick

Fortsetzung folgt.....

Dirk Wackernagel 1998-2001; http://www.lauftreff-franken.de; E-Mail: dirk@lauftreff-franken.de