2. Internationaler Spreelauf über 420,6 km vom 28.08. - 02.09.2001
4. Etappe: Lübbenau - Spremberg, 75,2 km, 31. August 2001
Auf dem Foto der Frühstarter war es noch zu sehen ... das schöne Wetter. Leider sollte es uns noch verlassen, bevor die zweite Hälfte aller Läufer in Spremberg eintreffen würde. Aber davon trennten uns noch 75 Kilometer quer durch den schönen Spreewald. Wir liefen anfangs über kleine Fließbrücken des Spree-Urwaldes hinweg, haben die volle Länge der Deichkronen vermessen, liefen vorbei am Stadion der Freundschaft (Energie Cottbus) und genossen den Luxus eines exklusiven Kuchenbuffets (Danke Ilse Straube!).

Nach einem ausgiebigen Frühstück starteten die noch 41 im Rennen verbliebenen Läuferinnen und Läufer wiederum in zwei Gruppen. Das Wetter war mit 15° C und aufgehender Sonne ideal zum Angehen des Projektes "4. Etappe".

Ich selber hatte anfangs null Bock zum Laufen und hangelte mich nur mühsam in den erfoderlichen Rhythmus hinein. Auch Felix Kainz, den ich nach ca. 20 km aus Versehen einholte, hatte so seine Schwierigkeiten, sich am Laufen zu ergötzen. Später lief es aber bei ihm wieder deutlich besser, als bei mir. Schon nach dreißig Kilometern fing ich mit meinen bei Langstreckenunternehmen üblichen Spielchen an: Schuhwechsel in drei Akten. Hubert Karl, den ich heute als Orientierungspunkt für mich in Sachen gleichmäßiges Laufen "mißbrauchen" wollte, war eine ganze Nummer zu groß für mich. Er lief mir unaufhaltsam davon.

 

Es hatte sich bis zu mir herumgesprochen, daß Ilse Straube in Cottbus (km 46,6) ein Kuchenbuffet für uns bereithalten würde. Na wenn das keine Motivation für mich war, die heutige Zweidrittelmarke anzusteuern? Ich hatte mich noch nie bei einem Ultra so auf eine schöne heiße Tasse Kaffe gefreut!

Stefan Schlett rief mir bei Kilometer 30 noch zu (er war eine Stunde vor mir gestartet), ich solle schöne Grüße bestellen und man möge für ihn noch etwas aufheben. Er käme später, aber er kommt. Dem Bedürftigen konnte geholfen werden.

 

Die zweite Gruppe am Start

Kurz nach der Kaffeeklatschrunde begegnet mir im Park ein Radfahrer mit dem Ausruf "Die Cottbusser Parkläufer grüßen die Spreeläufer!" War nett. Vielleicht nehmen ja nächstes Jahr ein paar Vertreter dieser Innung an der 3. Auflage teil?! Wäre doch ein Heimspiel für Euch Cottbusser, oder?

Heute saß mir auf den letzten Kilometern sogar noch eine Gruppe um Helmut Schieke im Nacken. Ich hatte die Haudegen irgendwann am späten Vormittag überholt (sie waren eine Stunde früher gestartet). Aber meine schwer in Mitleidenschaft gezogene "Tempohärte" mußte Federn lassen. Sechs Kilometer vor Spremberg, ich wollte gerade vom letzten V-Punkt wieder loslaufen, stürzten sie sich wolllüstig auf die vom Kuchenbuffet übriggebliebenen Reste. Plötzlich waren da doch noch Reserven, die ich locker machen wollte. Ich rettete meinen Vorsprung ins Ziel.
 
Spreewildwasser
Ruth Jäger (49, LG Rodgau) auf'm Damm
 
Spreeidylle
     
 

Naß bin ich trotzdem geworden. Mit einer Etappenzeit von 8:12 Std. und einer Gesamtzwischenzeit von 27:55 Std. erreichte ich Spremberg.

Kurz vorm Ziel, so gegen 15 Uhr fing es an zu tröpfeln. Später wurde strömender Regen daraus, der uns auch am nächsten Tag die Läuferklamotten durchweichen sollte.

Der Zieleinlauf gestaltete sich für einige zur Stadtbesichtigung. Irgendwie hatten es auch die (Kreide)-Wegmarkierungen nicht geschafft, dem Regen zu trotzen. Ingo versuchte sich noch in der Schadensbegrenzung. Im ursprünlichen Plan stand ja auch Marktplatz Spremberg und nicht Schule sowieso, wie es relativ kurzfristig beschlossen wurde.

Auswertung und Ergebnisdienst: Sebastian Seyrich
   

Gegen 18 Uhr erschallte der Ruf zum Abendessen. Alle Scheintoten, Schlaftrunkenen und Kriegsverletzten wurden auf Kommando mobil. Es gab endlich wieder mal Nudeln. Nur einen Haken hatte das Ganze: Es gab nur einen knapp kalkulierten Teller davon. Etwa 15 bis 20 Leidgeprüfte suchten umgehend den nächstgelegenen Pizzabäcker auf und sorgten so für ein totales Chaos in dessen Minipizzeria.

Es gab einen Menschen unter uns, dem war das mehr als außerordentlich peinlich: Ingo Schulze. Und das Schlimmste, er konnte es nicht mehr kitten. Er tat mir in dem Moment sogar richtig leid. Sein ganzes Bemühen für diesen Lauf, ein Jahr mordsintensive Vorbereitung und das Streben nach Perfektion waren für diesen Abend dahin.

Ingo, nimm es wie ein Mann. So etwas ist zwar ärgerlich, aber kein Trauerfall!

292,2 Kilometer waren geschafft, 36 Aktive waren noch in der Wertung, die Spreequelle war "nur noch" 128,4 Kilometer entfernt und die Stimmung war nach wie vor gut im gesamten Troß! Kein Wunder, es war Freitagabend und das Wochenende stand vor der Tür! ;-)

 

Die Betreuermannschaft beim "2. Internationalen Spreelauf"(Quelle: Ingo Schulze):

Gesamtorganisation Ingo Schulze
Auswertung Sebastian Seyrich
Streckenposten Harald Feihle, Heidrun Dutz, Britta Wackernagel, Brigitte Barthelmann, Waltraut Lehnert
Pressearbeit Karin Jäckel (im Vorfeld)
Einkauf Inge Schulze, Hans-Joachim Hallmann
Masseure Daniela Schwarz, Bernd Albrecht
Gepäcktransport Thomas Schulze, Benjamin Nickel
Streckenerkundung Henry Wehder (Startnummer 9)
Streckenmarkierung Horst Straube, Günter Michels
Sanitäter, DRK Roberto Falz, Raik Balzereit
Zeitweise standen zur Verfügung Volker Ihring, Erhard Heß, Gerhard Rumpf
An den V-Punkten der letzten (6.) Etappe Jan Gunold, Frank Urban, Uli Richter, Wolfgang Zschietschmann
Streckensicherung letzte (6.) Etappe Freiwillige Feuerwehr Eibau-Walddorf
Ein herzliches Dankeschön Euch allen für den gelungenen Spreelauf 2001!!!
 
4. Etappe (75,2 km)
Gesamtwertung (nach 4 Etappen und 292,2 km)
1
Rainer Koch (20, LG Würzburg)
6:13:38
2
Henry Wehder (39, OSC Löbau)
6:19:04
3
Ludger Garding (37, SUS Schalke 96)
6:31:52
1
Rainer Koch (20, LG Würzburg)
22:22:02
2
Henry Wehder (39, OSC Löbau)
22:27:27
3
Ludger Garding (37, SUS Schalke 96)
23:25:14

Alle Ergebnisse im Überblick

Fortsetzung folgt.....

Dirk Wackernagel 1998-2001; http://www.lauftreff-franken.de; E-Mail: dirk@lauftreff-franken.de