2. Internationaler Spreelauf über 420,6 km vom 28.08. - 02.09.2001
3. Etappe: Beeskow - Lübbenau, 83,9 km, 30. August 2001
Die Königsetappe stand an. Wie am vorangegangenen Tag wurde wieder in zwei Gruppen gestartet, wobei der erste Pulk heute zahlenmäßig etwas größer war.
Das Wetter spielte wieder gut mit, vielleicht etwas zu gut, denn am späten Vormittag wurde es ziemlich warm. Die zweite Hälfte des heutigen Abschnitts war fast ohne jeglichen Schatten zu bewältigen.
Die ländliche Idylle dagegen war einfach zum Genießen. Blauer Himmel, weite Wiesen und einige schöne Seen des sich ankündigenden Unterspreewaldes waren gelungene Abwechslungen auf den 84 Kilometern zwischen Beeskow und Lübbenau.

 

Gestartet wurde vor der 1927 erbauten und scheinbar baufälligen Turnhalle bei 15°C und Sonnenschein.

In der ersten Stunde unseres "Arbeitstages" durchliefen wir vom Morgentau gebadete Wälder und Wiesen.
Für mich ist es immer wieder ein herrliches Gefühl, den sauberen Morgen mit einer Sauerstoffdusche zu beginnen. Meine vorbereitenden Trainings für die diesjährigen Läufe fanden fast alle im Morgengrauen am alten Ludwig-Donau-Kanal zwischen Wendelstein und dem Schwarzachtal statt. Anfangs, wegen der frühen Stunde (5:30 Uhr), war es noch sehr gewöhnungsbedürftig, aber dann mochte ich es nicht mehr missen! Keine Hitze, saubere Luft, himmlische Ruhe und vor allem der phantastische Sonnenaufgang waren der reinste Genuß.

7 Uhr Start der zweiten Gruppe, im Vordergrund Helmut Schieke (62, SC Herford), "Der Bezwinger Australiens"
   

Fast alle in Berlin gestarteten waren noch dabei, unter Ihnen alle drei Frauen, Ruth Jäger (49, LG Rodgau), Sigrid Eichner (61, 100 Marathon Club) und Sieglinde Smolinski (43, LG Frankfurt).

Die heutige Etappe würde zum ersten richtigen Scharfrichter auf dem Weg zur Quelle werden. Wider besseren Wissens ließ auch ich mich etwas vom Tempo anstecken, das heute Morgen angeschlagen wurde. Bei Halbzeit besann ich mich dann doch (mehr oder weniger gezwungenermaßen), um nicht in die klassische Ultrafalle zu tappen.

Das Rezept der Läufer hieß Rhythmus. Schon nach fünf Kilometern begann unsere Fünfergruppe zu zerfallen.

Morgenstimmung bei Ranzig im Kreis Beeskow

Ob Ludger Garding (37, SUS Schalke 96), Werner Selch (49, SV Amberg), Manfred Leismann (54, TV Witzhelden), Felix Kainz (41, Lok Potsdam) oder ich selbst, wir versuchten das eigene Tempo ohne fremde Beeinflussung zu finden. Es ist nicht einfach, sich auf den eigenen Schritt zu "konzentrieren", wenn einer mit höherer Schrittfrequenz oder aufwendigerem Stil nebenherläuft. Man wird gezogen oder geschoben.

Sigrid Eichner
(61, 100 Marathon Club)

Jürgen Sinthofen, Hubert Karl und Dirk Wackernagel stärken sich für die letzten 14 Kilometer

An der Spitze tat sich heute mal ein anderes Bild auf. Henry Wehder (39, OSC Löbau) gelang es auf dem zweiten Streckenabschnitt, den in der Gesamtwertung bis dato führenden Rainer Koch hinter sich zu lassen. Fast neunzehn Minuten nahm er ihm ab und setzte sich damit nach 217 Kilometern mit 1 (!) Sekunde Vorsprung an die Spitze der Zwischenwertung. Rene Strosny, mit 28 Jahren auch noch kein gesetzter Herr auf der Ultrastrecke, läuft ein sehr konstantes Rennen mit Blick auf den dritten Platz in der Gesamtabrechnung.

Bei mir "hing" es zwischen den Kilometern 38 und 50. Vor allem bei Petkamsberg hatte ich zu tun, meinen inneren Schweinehund zu beherrschen. Nach einer kurzen kühlenden Massage lief es dann wieder besser. Am vorletzten Verpflegungspunkt in Lübben sammelten mich Jürgen Sinthofen und Hubert Karl auf, die den Tag wesentlich disziplinierter in Angriff genommen hatten. Motiviert und mit dem Rhythmus wo-man-mit-muß, liefen die letzten vierzehn Kilometer wieder richtig rund. Allerdings fürchtete ich dann doch, für meinen Geschmack wohl etwas zu schnell unterwegs gewesen zu sein. 7:54:17 Std. für 83,9 km ist mit 10,62 Kilometer pro Stunde einfach etwas zu deftig für meine Verhältnisse. Die Quittung dafür sollte ich dann am fünften Tag bekommen.

Rainer Koch
Hubert Karl
Bernd, der Masseur,
dem die Läufer vertrauen
 

Am Ende des langen Tages gibt es im Ziel Spreewälder Gurken vom Feinsten. Ob Pfeffergurken oder Gewürzgurken, Hauptsache traditionell und typisch, noch dazu gereicht von einer echten Spreewälderin (leider ohne Tracht). Danke für den freundlichen Empfang in Lübbenau!
Allerding verträgt nicht jeder mit 84 km vorbelastete Läufermagen diese Säure so ohne weiteres. Aber kein Problem. SuperIngo hat eine 5-Sterne-Catering-Firma auftafeln lassen. Nach einer wirklich warmen Dusche und einem gepflegten Eibauer Schwarzbier gab es nun für jeden Ultrageschmack das richtige Mahl. Gelungenes Galadinner, Ingo! Danke!

Professionell: Wäscheständer
   
Für jeden einzelnen beginnt nun schon wieder die Vorbereitung auf den nächsten Tag. Ich fette meine Füße, lasse mich von Daniela's goldenen Händen massieren, schicke noch einen kurzen SMS-Bericht an meine Kollegen in Nürnberg und versuche baldmöglich Schäfchen zu zählen.
 
3. Etappe (83,9 km)
Gesamtwertung (nach 3 Etappen und 217,0 km)
1
9 Henry Wehder (39, OSC Löbau)
6:33:21
2
11 Rene Strosny (28, Bautzener LV)
6:47:48
3
3 Rainer Koch (20, LG Würzburg)
6:51:10
1
9 Henry Wehder (39, OSC Löbau)
16:08:23
2
3 Rainer Koch (20, LG Würzburg)
16:08:24
3
11 Rene Strosny (28, Bautzener LV)
16:53:22

Alle Ergebnisse im Überblick

Fortsetzung folgt.....

Dirk Wackernagel 1998-2001; http://www.lauftreff-franken.de; E-Mail: dirk@lauftreff-franken.de