2. Internationaler Spreelauf über 420,6 km vom 28.08. - 02.09.2001
2. Etappe: Neu Zittau - Beeskow, 79,1 km, 29. August 2001
Der Eindruck soll nicht täuschen. Phasenweise hatten wir bedingt dadurch, daß die Wege nicht immer unmittelbar am Fluß entlang verliefen, kein Wasser zu sehen bekommen. Da ist es natürlich mehr als verständlich, wenn man solche Augenblicke genießt. Meine Frau ließ sich sogar hinreißen, diesen Augenblick in einem Aquarell festzuhalten.
Der zweite Tag begann mit traumhaftem Laufwetter. Wohl alle in Berlin Gestarteten waren heute wieder dabei. Blessuren gab es nur bei einigen wenigen, die halt mit Blasen oder angeschlagenen Zähennägeln zu kämpfen hatten. Das ist aber bekanntlich bei Ultraläufern kein Grund und erst recht kein Hindernis. Die Anziehungskraft des Zieles ist da noch wesentlich stärker.

Der Start der zweiten Etappe in Neu Zittau fand in zwei Gruppen statt. Die ersten siebzehn Läufer des Vortages starteten heute eine Stunde später, um die Situation an den Verpflegungspunkten zu entspannen. Die schnellen Läufer der stärkeren Gruppe überholten schon nach knapp zwei Stunden die zuvor gestarteten. Wenn man bedenkt, daß bei neun Verpflegungsstationen und einer Laufzeit des letzten Finishers von teilweise zwölf und auf der längsten Etappe sogar von 15 Stunden benötigt wurden, dann kann man sich ausrechnen, wie vier Stationsteams zu rotieren hatten, um jedem einen Becher Wasser reichen zu können. Herzlichen Dank den Betreuern!

 

Wenn man mehr als nur eine läuferische Eintagsfliege plant, gehören natürlich auch mehrere Laufschuhe dazu. Dieses Quintett aus verschiedenen Schuhpaaren (Trial, Straße, stark profilierte und leichte Modelle) habe ich komplett dabei gehabt. Eventuelles Regenwetter und die verschiedenen Laufbeläge wie Asphalt und Wald(cross)wege sind Gründe dafür. Die Zwischensohle der Schuhe, die ja bekanntlich für die Dämpfung verantwortlich ist, braucht auch mal 'ne Pause.

Nichts desto trotz liefen einige mit nur ein oder zwei Paaren bis zur Spreequelle. Die Beinarchitektur hat sich gefreut.
Der anbrechende Morgen kurz nach dem Start

Heute sprangen drei Leute vom Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) zwischen uns herum und stellten unermüdlich Fragen und filmten spektakuläre Bilder, z.B. wie ich meine Füße gerade einpudere oder andere ihre Trinkflaschen am Gürtel befestigen, Blasen behandeln, die Streckenführung studieren, frühstücken, Schuhe zubinden, Startnummer befestigen, sich dehnen, 'nen Schluck aus der Wasserpulle nehmen und so weiter.

Neu Zittau: Start im Morgengrauen

Auch der Bürgermeister gab sich die Ehre, uns auf die Strecke zu schicken. Er nahm sich schon am Vorabend die Zeit, mit uns zu speisen!
Jäger: Henry Wehder (39)re. und Rene Strosny (28)

Sogar in Fürstenwalde wurden wir vom Bürgermeister begrüßt.
Zuvor gab es aber eine handfeste Verwirrung. Die im Vorfeld so gründlich recherchierte, mit Radl abgefahrene Strecke (Ingo nahm sich dafür eine ganze Woche Zeit) hatte ein nasses Hindernis bekommen. Eine Spreebrücke ist vor Fürstenwalde abgerissen worden. Niemand hatte es für nötig befunden, unseren Ingo zu informieren! ;-(
Als die vorauseilenden und mit Rennrädern bewaffneten Streckenmarkierer das merkten, war der erste Läufer schon so weit herangelaufen, daß eine mit heißer Nadel gestrickte Lösung her mußte.
Es wurde abgekürzt, nicht aber ohne vorher eine Kompensationsschleife mit Wendepunkt zu laufen. Acht Kilometer waren zu improvisieren. Ich, noch unwissend, staunte nicht schlecht, wie mir der an zweiter Position liegende Henry entgegenkam. Eines hatte die Situation aber für sich: Man sah endlich mal die Cracks und konnte den räumlich-zeitlichen Abstand erleben.

Ziel: der Marktplatz in Beeskow
Harte Arbeit: stundenlang Beine massieren
Sieglinde "am Boden"
 

Heute wurde schon einigen Läuferinnen und Läufern mehr bewußt, daß es eine körperliche und mentale Herausforderung werden würde, 420,6 km zu bewältigen. Von den 48 gestarteten war der überwiegende Teil Erststarter beim Spreelauf. Manche hatten sogar noch nie an einem Etappenlauf dieser Dimension teilgenommen.

Unter den Kennern war dagegen die Erfahrung verankert, daß der dritte oder der vierte Tag die wahre Belastbarkeit des Körpers zeigen würde. Wer zu schnell angeht, erfährt es spätestens dann, wenn die Gebrechen sich einstellen. Kraftprobleme sind hier hingegen erfahrungsgemäß eher weniger zu erwarten. Gesund bleiben ist die große Devise.

Die ersten Läufer sollten heute schon die Segel streichen.

Kaltes und warmes Buffet: jeder kam auf seine Kosten
   
Die Stimmung am Ende des Tages war gut. Es wurde zwar noch über die Wendeschleife diskutiert, aber ohne Emotionen. Diese waren ausschließlich auf der Strecke geblieben. Das schwarze Eibauer Bier, das Buffet, die Massagen, das verhältnismäßig lauwarme Wasser (am Vortag war es eiskalt) und der schöne sonnige Abend ließen alle Seelen friedlich einschlafen. Ruhe war Trumph, denn am nächsten Tag stand die Königsetappe mit 83,9 km an.
 
2. Etappe (79,1 km)
Gesamtwertung (nach 2 Etappen und 133,1 km)
1
3 Rainer Koch (20, LG Würzburg)
5:28:20
2
9 Henry Wehder (39, OSC Löbau)
5:45:45
3
11 Rene Strosny (28, Bautzener LV)
6:06:28
1
3 Rainer Koch (20, LG Würzburg)
9:17:14
2
9 Henry Wehder (39, OSC Löbau)
9:35:02
3
11 Rene Strosny (28, Bautzener LV)
10:05:34

Alle Ergebnisse im Überblick

Fortsetzung folgt.....

Dirk Wackernagel 1998-2001; http://www.lauftreff-franken.de; E-Mail: dirk@lauftreff-franken.de