2. Internationaler Spreelauf über 420,6 km vom 28.08. - 02.09.2001
1. Etappe: Berlin- Spandau (ICC- Int. Funkausstellung, Bln.- Charlottenburg) - Neu Zittau, 54,0 km, 28. August 2001
Am Vorabend des Starts zum 2. Intern. Spreelauf trafen sich die Cracks der deutschen Ultralangstreckenszene und Läufer aus Frankreich und Holland im Quartier zu Spandau, um ein in Deutschland seltenes Laufvergnügen anzugehen. Selten deshalb, weil es außer den von Ingo Schulze (53, Horb a.N.) organisierten Läufen (Spreelauf 2000, 2001 und Deutschlandlauf 1998) keine offiziellen Etappenläufe über solche Ultradistanzen in deutschen Landen gibt.
Damit dürfte Ingo der einzige Veranstalter in Deutschland sein, der über solide Erfahrungen für derart knusprige Events verfügt. Ein Grund, mich in seine Meldeliste einzutragen. Nicht zuletzt spielte für mich auch eine Rolle, daß Läufer, wie die Transaustralia - erfahrenen Stefan Schlett und Helmut Schieke sowie Hubert Karl (Mitglied im Nationalteam der deutschen Ultraläufer) auf der Teilnehmerliste standen.

Das schöne an solchen Läufen ist doch vor allem, daß man sich kennt! Sechs Tage zwischen Weckerklingeln und Hallenlichtausknipsen schaffen eine total andere Atmoshäre, als bei diesen Hin-und-Weg-Marathons. Die Annonymität bei diversen Massenaufläufen wie in Berlin, Hamburg oder Köln ist halt wenig prickelnd. Beim Ultra sieht man sich mehrmals im Jahr, man erzählt, berichtet, schwärmt, meckert, empfiehlt, fachsimpelt, berät, lauscht erfahreneren Läufern, staunt, bewundert und und und... Es macht einfach mehr Spaß!

 

Nachdem Ingo ganz geschickt und unauffällig den Livestart im ARD- Morgenmagazin mit Startschuß von Guildo Horn auf der "Internationalen Funkausstellung" im ICC eingefädelt hatte, konnte nichts mehr schief gehen. Abgesehen von der Änderung, nicht von der Mündung aus zu starten, ging es nun wie geplant von Charlottenburg aus "stromaufwärts" Richtung Spreequelle.
48 Läufer, darunter drei Frauen (Ruth Jäger, 49, LG Rodgau), Sigrid Eichner (60, 100 Marathon Club "D") und Siglinde Smolinski (43, LG Frankfurt) hatten sich vorgenommen, die Strecke von 420,6 km in den sechs Abschnitten von 54,0/79,1/83,9/75,2/77,9 und 50,5 km ohne Ruhetag zu packen.

Jeder hatte wohl verschiedene Ziele und Erwartungen. Während Rainer Koch (20, LG Würzburg, deutscher Juniorenrekordhalter 24 Std.-Lauf), Henry Wehder (39,

Hindernisse: Berliner Ampeln
Verhüllt: Brandenburger Tor

OSC Löbau), Ludger Garding (37, SUS Schalke 96) und Rene Strosny (27, Bautzener LV) vom Start weg ambitioniert zu werke gingen, hatten sich Läufer aus den
SUPER- INGO

Altersklassen 45, 50 und 60 eine ruhigere Gangart verordnet, um das Klassenziel "Ankommen und Wohlfühlen" nicht zu gefährden. Ich für meinen Teil bin etwas zu verhalten angegangen. Die ersten zwei Stunden habe ich etwas verplämpert, zudem kam hinzu, daß ich mich durch Unaufmerksamkeit bei km 45 verlief und dabei ca. 15 Minuten verschenkte. Aber was sind 15 Minuten auf zehn Marathons verteilt? Dies war die Gelegenheit, um meine Zeitgier auf "Null" zu stellen. Es wird in den nächsten fünf Tagen noch genügend Gelegenheit geben, mehr zu verlieren, wenn ich mich nicht auf meine Möglichkeiten konzentriere. Das Tempo anderer Läufer mitzugehen ist sehr verlockend, zudem man noch recht frisch ist, aber es kann zwei Tage später der sichere "knock out" sein.

Das Wetter hätte idealer nicht sein können. Im Protokoll stehen 15°C und Sonnenschein bei mäßigem Wind. Dieser sollte uns aber nicht weiter stören, da wir durch die schützenden Häuserschluchten von Charlottenburg, Mitte, Kreuzberg, Treptow und Köpenick stiefelten.

Mehr zu schaffen machte den vorausfahrenden Streckenmarkierern der rücksichtslose Straßenverkehr. Die drei Fahrradstürze sind, abgesehen von blutigen Schrammen an Ellbogen und Knien, zum Glück harmlos verlaufen.
Die zahllosen Berliner Ampeln waren nicht nur zeitraubend, sondern sie störten permanent unseren Laufrhythmus. Die ersten Ampeln wurden respektvoll beachtet, mit zunehmender Gewandheit, nutzten wir kurzerhand die sich

 
teilweise anbietenden Lücken im Straßenverkehr, um endlich diese Stadt verlassen zu können.  
Schwerstarbeit:Daniela und Bernd, die beiden Masseure im Team, managten tagsüber nacheinander zwei Verpflegungsstationen und lockerten abends unsere Beine
 

Alles in allem war die Stimmung unter den Aktiven sehr gut. Mit Helmut Schieke (61, S.C. Herford) unterhielt ich mich ein paar Kilometer über Australien, mit Lutz Jaekel (38, Grün-Weiß Pretzsch) wurden Erinnerungen an den Lauf zur Ostsee ausgetauscht und alle zehn Kilometer stärkte man sich für Großes an der Verpflegungstheke.

Der Tag konnte recht entspannt angegangen werden, da nur 54 km auf der Liste standen. Die Härte erwarteten wir erst auf der Königsetappe am 3. Tag (83,9 km) und danach.

Ich konnte noch einen Erfolg für mich verbuchen: meine Frau Britta konnte in der Turnhalle zu Neu Zittau einen scheinbar ruhigen Schlafplatz in einer Ecke ergattern. Die Nacht war gerettet. Zum Dinner gab es ......Nudeln mit Goulasch!

Dirk Wackernagel, Manfred Leismann, Ludger Garding, Felix Kainz, Werner Selch v.l.n.r.
   
Im Ziel gab es einen ganz besonderen Tageslohn: Der Hauptsponsor des Unternehmens "Spreelauf", die Eibauer Brauerei, zapfte für jedem Finisher gepflegtes, kühles Schwarzbier aus dem Plastikbecher! Wonne pur!!!
Ziel: 54 km (Schule in Neu Zittau)
Lohn: Eibauer Schwarzbier
Traum: Schlafstätte in der Turnhalle
 
1. Etappe (54,0 km)
Gesamtwertung (nach 1. Etappe)
1
Rainer Koch (20, LG Würzburg)
3:48:54
2
Henry Wehder (39, OSC Löbau)
3:49:17
3
Ludger Garding (37, SUS Schalke 96)
3:57:35
1
Rainer Koch (20, LG Würzburg)
3:48:54
2
Henry Wehder (39, OSC Löbau)
3:49:17
3
Ludger Garding (37, SUS Schalke 96)
3:57:35

Alle Ergebnisse im Überblick

Fortsetzung folgt.....

Dirk Wackernagel 1998-2001; http://www.lauftreff-franken.de; E-Mail: dirk@lauftreff-franken.de